ADHS ist mehr als Konzentration – was neue Hirnscan-Studien zeigen

Die drei identifizierten ADHS-Profile

Die Forschenden beschrieben folgende neurobiologische Muster:

1. Vorwiegend unaufmerksames Profil
Menschen dieser Gruppe zeigen vor allem Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Fokussierung und Ablenkbarkeit. Bestimmte Veränderungen fanden sich insbesondere in Hirnregionen, die mit Konzentration und Aufmerksamkeitssteuerung zusammenhängen.

2. Vorwiegend hyperaktiv-impulsives Profil
Hier stehen Impulsivität, Bewegungsdrang und Schwierigkeiten mit Verhaltenssteuerung stärker im Vordergrund. Die Hirnveränderungen betrafen vor allem Netzwerke, die an Impulskontrolle beteiligt sind.

3. Kombiniertes Profil mit emotionaler Dysregulation
Diese Gruppe zeigte die deutlichsten neurobiologischen Auffälligkeiten. Betroffene erleben häufig intensive Emotionen, starke Reaktionen auf Stress, Schwierigkeiten beim Beruhigen nach Konflikten oder das Gefühl, emotional schneller überflutet zu werden. Die Forschenden sehen darin nicht einfach eine stärkere Ausprägung von ADHS, sondern möglicherweise einen eigenständigen biologischen Subtyp.

Warum diese Erkenntnisse wichtig sind

Viele Erwachsene mit ADHS erkennen sich in diesem dritten Profil wieder.

Nicht die Konzentration wird als grösste Belastung erlebt, sondern:

  • Reizüberflutung

  • emotionale Überforderung

  • Schwierigkeiten mit Stressregulation

  • impulsive Reaktionen

  • das Gefühl, innerlich ständig "unter Strom" zu stehen

  • starke Reaktionen auf Kritik oder Ablehnung

Gerade dieser Aspekt wird oft übersehen, weil viele Betroffene gelernt haben, nach aussen zu funktionieren und ihre Herausforderungen zu kompensieren.

Die Studie unterstützt eine Sichtweise, die viele Fachpersonen seit Jahren vertreten: Emotionale Dysregulation ist bei ADHS häufig kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Bestandteil des Erlebens.

Was die Forschung nicht sagt

Wichtig ist: Ein Hirnscan kann ADHS heute nicht diagnostizieren.

Die Diagnose basiert weiterhin auf einer umfassenden fachlichen Abklärung. Die neuen Erkenntnisse helfen jedoch, die Vielfalt von ADHS besser zu verstehen und langfristig individuellere Behandlungs- und Coachingansätze zu entwickeln.

Mein Blick als Coach

In meiner Arbeit begegnen mir viele Menschen, die jahrelang versucht haben, ihre Herausforderungen mit mehr Disziplin, mehr Struktur oder noch mehr Selbstkontrolle zu lösen.

Oft entsteht Entlastung erst dann, wenn klar wird:

Das Problem ist nicht mangelnder Wille.

Das Nervensystem verarbeitet Reize, Emotionen und Belastungen schlicht anders.

Im Coaching geht es deshalb nicht darum, ADHS zu "reparieren". Vielmehr erkunden wir gemeinsam, wie dein persönliches ADHS funktioniert, welche Strategien wirklich zu dir passen und wie du deine Stärken gezielter nutzen kannst.

Denn Verständnis schafft oft mehr Veränderung als Selbstkritik.

Quellen

Originalstudie (JAMA Psychiatry): Mapping ADHD Heterogeneity and Biotypes by Topological Deviations in Morphometric Similarity Networks

Zusammenfassung auf PubMed: PubMed Abstract der Studie

Weiterführende Fachartikel:

Healthline – 3 Different Types of ADHD Identified in New Study

Medical Xpress – Three Distinct ADHD Biotypes Identified Using Brain Imaging

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